Am Bahnhof Oberuhldingen bald barrierefrei in den Zug

Der Bahnhof in Oberuhldingen wird bis 2021 umgebaut: Er soll barrierefrei werden, damit auch Fahrgäste im Rollstuhl, mit Fahrrädern oder Kinderwagen problemlos ein- und aussteigen können. Der Bund trägt die kompletten Kosten für die Maßnahmen. Das Geld kommt aus einem Investitionsprogramm für kleine Bahnhöfe.

Barrierefreiheit wird am Bahnhof Oberuhldingen bald kein Fremdwort mehr sein: Denn er wird in den kommenden Jahren mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt umgestaltet. Das teilte CDU-Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen mit. Die Planungen für die Modernisierung des Bahnsteigs, der Bau einer Rampe sowie weitere Maßnahmen sollen zwar erst 2021 abgeschlossen sein.

Bürgermeister: "wichtige und richtige Entscheidung"
„Aber über den Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestags und die Finanzierung zu 100 Prozent aus dem Bundeshaushalt freuen wir uns als Gemeinde sehr", sagt Bürgermeister Edgar Lamm. Es sei eine "wichtige und richtige Entscheidung“. Im selben Atemzug fügt er hinzu, dass eine konsequente Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn notwendig sei, „um eine gute Zukunft der Tourismus- und Wirtschaftsregion Bodensee insgesamt zu gewährleisten“.

2015 scheiterte ein Antrag der Gemeinde zur Förderung
Die Aufnahme in das Förderprogramm „Zukunftsinvestitionsprogramm 2016 bis 2018 – Barrierefreiheit kleiner Schienenverkehrsstationen“ geht zurück auf einen Antrag der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen im August 2015. Der Bahnhof wurde damals nicht in ein Förderprogramm aufgenommen, da keine Vorplanung der Bahn vorlag und bis Ende 2018 die Umsetzung und Abrechnung des Vorhabens unrealistisch war.

Im Mai 2018 forderte Lamm in einem weiteren Schreiben an die Bahn erneut den barrierefreien Ausbau der Bahnsteige. Die DB Netze antworteten, dass ein barrierefreier Ausbau nur für Bahnhöfe mit mindestens 1000 Reisenden pro Tag infrage komme. Der Uhldinger Bahnhof werde zurzeit aber nur von 700 Menschen täglich genutzt. Die DB Netze teilte aber mit, dass der Bund im Jahr 2016 ein Investitionsprogramm verabschiedet habe, um dennoch auch für kleinere Bahnhöfe eine Möglichkeit zu schaffen, die Situation zu verbessern. Darin sollten insbesondere kleinere Stationen mit weniger als 1000 Reisenden berücksichtigt werden. Allerdings hätten in Baden-Württemberg bisher nur wenige Bahnhöfe in dieses Programm aufgenommen werden können.

Bei zweiter Stufe des Sonderprogramms kommt Gemeinde zum Zuge
Der Bund habe eine zweite Stufe zu diesem Sonderprogramm aufgelegt, in der weitere mögliche Projekte geplant werden sollen. Darin sei der Bahnhof Uhldingen-Mühlhofen enthalten. „Dies hat sich nun erfreulicherweise mit dem Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages bestätigt“, erklärt Lamm.

In 118 kleinen Bahnhöfen mit weniger als 1000 Fahrgästen pro Tag werden deutschlandweit nun verschiedene Elemente der Barrierefreiheit umgesetzt. In den nächsten acht Jahren werden dafür insgesamt 330 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Lothar Riebsamen begrüßt es, dass im Uhldinger Bahnhof eine Erleichterung für Menschen mit körperlicher Behinderung, aber auch für Familien mit Kinderwagen sowie Radfahrer geschaffen werde. „Der Bundestag leistet seinen Beitrag für die Barrierefreiheit. Ich freue mich, dass die Mittel auch in unserer Region ankommen.“

CDU im Gemeinderat will weitere Verbesserungen
Der CDU-Ortsvorsitzende und Gemeinderat Erwin Marquart teilte mit, dass auf Antrag der CDU-Fraktion im Ratsgremium im Haushalt 2017 bereits 30 000 Euro für die Beteiligung der Gemeinde an den Planungen eingestellt worden seien. „Die klare Botschaft des Gemeinderates hat sich gelohnt“, betont auch CDU-Gemeinderat und Nahverkehrsexperte Jean-Christophe Thieke. Er sei erfreut, dass nun sogar die kompletten Kosten vom Bund getragen werden sollen. Dass die Planungen bis 2021 abgeschlossen sein sollen, sei für Bahnprojekte „ein sportliches Ziel“, sagt Thieke.

Forderung: neue Unterführung mit Rampen
Die CDU-Fraktion fordere, die Planung und Umsetzung der Arbeiten am Bahnsteig mit weiteren Verbesserungen am Bahnhof zu verbinden: Man wolle sich im Gemeinderat dafür einsetzen, am Bahnhof eine neue Unterführung mit Rampen für Fußgänger und Radfahrer zu realisieren, „die nicht nur die Bahnsteige erschließt, sondern auch die Erreichbarkeit aus den Wohngebieten verbessert“. So könnten Bahnhof, Busbahnhof und Einkaufszentrum aus Wohngebieten jenseits der Bahnlinie in Oberuhldingen, aber auch aus Teilen von Mühlhofen besser erreicht werden. Die Einplanung dieser Vorhaben und die Finanzierung müsse die Gemeinde nun rasch gemeinsam mit den Projektpartnern bei Bund, Land und Bahn erörtern, schreibt der CDU-Ortsverband in seiner Pressemitteilung.
Vor wenigen Tagen hat der CDU-Kreisparteitag im Übrigen beschlossen, dass das Land so rasch wie möglich dafür sorgen solle, dass alle Regionalbahnen auf der Bodenseegürtelbahn wieder mit barrierefreien niederflurigen Fahrzeugen gefahren werden. Zudem forderte er das Land auf, als Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr nötigenfalls eigene Planungsmittel in die Hand zu nehmen, um die Barrierefreiheit an den elf Stationen zwischen Radolfzell und Kressbronn, die noch nicht barrierefrei sind, bis zum Jahr 2023 voranzubringen. Insgesamt sind auf der Strecke 20 Bahnhöfe.

Rund um die Barrierefreiheit

Was bedeutet Barrierefreiheit?
Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) definiert dies in Paragraf 4: Barrierefrei sind Gebäude und Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Zulässig ist, dass Hilfsmittel genutzt werden. Das Prinzip der Barrierefreiheit zielt darauf ab, dass sich Menschen mit Beeinträchtigungen, beispielsweise mit Geh-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen, sowie mit Kinderwagen oder Rollator frei bewegen können.

Was bedeutet barrierefrei für den Bahnhof Uhldingen-Mühlhofen?
Die Bahnsteige sollen auf die Einstiegshöhe der Regionalbahnen erhöht und ausreichend breit ausgebaut werden, damit Reisende selbst mit Elektrorollstuhl in die Züge ein- und ausfahren können. Des Weiteren werden bei den Zugängen zum Bahnsteig Vorgaben zu den Steigungswinkeln eingehalten. Zusätzlich werden zwischen den Bushaltestellen, der Park-and-Ride-Anlage und dem Bahnsteig Blindenleitstreifen installiert.

(Quelle: Südkurier vom 21.11.2018, Holger Kleinstück)