Gemeinde will Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn mit vorantreiben

Einstimmig hat der Gemeinderat von Uhldingen-Mühlhofen genehmigt, dass sich die Gemeinde mit gut 61 000 Euro an den Planungskosten zur Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn beteiligt.

Ohne Gegenstimme hat sich der Gemeinderat für eine Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen-Stadtbahnhof ausgesprochen. Damit unterstützt er das Bemühen des Interessenverbands Bodenseegürtelbahn, die Elektrifizierung voranzutreiben und das Angebot auf der Strecke zu verbessern.

Geld steht 2019 im Haushalt bereit
Zudem stimmte das Gremium der Verteilung der Kosten für die Planung im Bodenseekreis auf der Grundlage eines Finanzierungsschlüssels zu: Gut 61 000 Euro wird die Gemeinde in den Haushalt 2019 einstellen. Bürgermeister Edgar Lamm erklärte: „Das ist ein beeindruckendes Zeichen nach außen, dass wir als Gemeinde voll hinter der Elektrifizierung stehen.“

Vom Bund gibt es vorläufig kein Geld für Projekt
Lamm hatte erläutert, dass auf der Strecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell mangels Elektroleitungen noch alte Diesel-Loks fahren – als einem der letzten Streckenabschnitte im Bahnnetz. Dennoch habe der Bund in seinem gerade verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan 2030 die Gürtelbahn ausgespart.

Land und Kommunen müssen einspringen
Für die Elektrifizierung gebe es kein Geld, weshalb Land und Kommunen einspringen müssten. Trotz der schwierigen Ausgangslage müsse es Ziel sein, die Strecke vollständig zu elektrifizieren, um Reisenden bessere Angebote machen zu können.

Verantwortliche warten auf Sonderförderprogramm des Bunds
In der Elektrifizierungskonzeption für das Schienennetz in Baden-Württemberg sei die Bodenseegürtelbahn in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf/Lückenschlüsse“ eingestuft worden. "Mit dieser Konzeption möchte das Land vorbereitet sein und die möglichen Projekte priorisiert haben, wenn der Bund sein im Koalitionsprogramm aufgeführtes Förderprogramm zur Elektrifizierung von Bahnstrecken auflegt", sagte Lamm. Im Elektrifizierungskonzept des Landes sei die Bodenseegürtelbahn gemeinsam mit der Strecke der Seehäsle-Bahn nach Stockach aufgeführt. „Wann und wie der Bund sein Sonderprogramm auflegen wird, ist noch nicht entschieden", sagte Lamm. Man müsse aber rechtzeitig bereit sein, in ein solches Sonderprogramm aufgenommen zu werden.

Der Bürgermeister sagte weiter, die im Auftrag vom Interessenverband untersuchten Konzepte mit Hybrid- beziehungsweise Batteriefahrzeugen auf der Strecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell seien nur als Übergangslösung sinnvoll.

Zwei Konzepte in der Schublade
Nach Darstellung des Rathauschefs gibt es derzeit zwei Konzepte. Zum einen das Referenzkonzept, das das Land zum Standard erhoben hat: Elektrifizierung mit stündlichem, schnellem Interregio-Express und stündlicher Regionalbahn mit Kosten von 4,6 Millionen Euro. Zum anderen das Vorzugskonzept der Region, dass neben einem stündlichen Interregio-Express zwei Regionalbahnen vorsieht, sodass es eine Verbindung im Halbstundentakt zwischen Singen und Friedrichshafen gäbe. Hier müssten die Kommunen zusammen 36,5 Millionen Euro investieren.

(Südkurier vom 20.09.2018, Holger Kleinstück)