Der Ministerpräsident und seine Wanderführerin Sonja Schuster vom Schwarzwaldverein. Rechts Edgar Lamm (mit Hut), Bürgermeister der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen und Martin Hahn, bündnisgrüner Landtagsabgeordneter des Bodenseekreises.



Der Anstieg durch die Weinberge zur Klosterkirche Birnau verlangte den Wanderern doch Kondition ab. Kretschmann: "Zum Schluss unserer Sommertour ein würdiger Abschluss an diesem großen Kleinod unseres Landes, an diesem Wallfahrtsort."



Kretschmann als Führer durch die "Basilika Unserer Lieben Frau von Birnau". Pater Prior Johannes Brügger (links): "Es ist sicher einmalig, dass wir vom amtierenden Ministerpräsidenten eine kurze Einführung in den Barock bekommen dürfen."



Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Gunter Schöbel, dem Direktor des Pfahlbaumuseums. In dessen Gästebuch schreibt Kretschmann: "Herzlichen Dank für die kompetente Führung und den Einblick in die große Bedeutung archäologischer Forschung und ihrer "Übersetzung" für unsere Bevölkerung, damit wir besser verstehen, wo unsere Wurzeln liegen."

Ministerpräsident Kretschmann wandernd im Bürgergespräch

Fünftägige Sommertour endet mit einer Wunschetappe des Landesvaters. Sie führt von den Unteruhldinger Pfahlbauten bis zur Klosterkirche Birnau, durch die Kretschmann rund 150 Besucher höchstselbst führt.

"Zuerst habe ich auch gedacht, das ist ein Tippfehler", lacht Sonja Schuster vom Schwarzwaldverein Überlingen. So wie ihr ging es vielen der Bürger, die an diesem Morgen mitwandern oder später zu eben jenem ungewöhnlichen Abschluss der Sommertour von Ministerpräsident Winfried Kretschmann an und in der Birnau dazustoßen. "Der Ministerpräsident führt durch die Basilika Birnau" steht auf der Agenda. Und es ist kein Druckfehler, sondern wird "ein beeindruckendes und unvergessliches Erlebnis" sein, wie später eine extra aus Konstanz angereiste Dame beim Verlassen des Kirche sagen wird.

Seit Montag war Kretschmann im Land unterwegs, "um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, und da auch was von der Stimmung, von den Anliegen, von den Problemen mitzunehmen", wie er gestern sagte. Sonja Schuster ist seine Wanderführerin. Die Vorsitzende des Schwarzwaldvereins Überlingen, der auch die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen abdeckt, in der diese Schlussetappe von Kretschmanns fünftägiger Sommertour führt, hatte die Etappe nach einem Anruf des Staatsministeriums ausgearbeitet. "Er hat sich diese Strecke gewünscht von den Pfahlbauten zur Klosterkirche Birnau, aber das Zeitfenster ist ja sehr eng", sagt Schuster, denn die Besichtigung der Pfahlbauten beginnt um 8.45 Uhr und um 12.15 Uhr muss der Ministerpräsident von der Birnau abfahren. "So konnten wir nur den Weg am See entlang anbieten – also ein besserer Spaziergang."

Eine knappe Stunde lang ist Professor Gunter Schöbel, der Direktor des Pfahlbaumuseums, eloquenter Reiseleiter durch Bronze- und Steinzeit. Die Pfahlbauten, seit 2011 Unesco-Weltkulturerbe, lägen eben unzugänglich unter Wasser, "schwierig zu transformieren, zu übersetzen, aber dafür steht das Museum seit 95 Jahren", erläutert Schöbel dem interessierten Kretschmann. "Wir sind als Museum Schaufenster des Welterbes." Genau erläutern lässt sich Kretschmann beim Rundgang "das Haus der Fragen". Hier werden die 50 wichtigsten Fragen der Besucher beantwortet, die sie den Führern immer wieder gestellt hatten: Wie alt wurden die Menschen der Steinzeit? Welche Kleidung trugen sie? Ein Projekt, das im europäischen Museumsverbund diskutiert worden war und jetzt in 12 Sprachen im Internet steht. Und im Museum sind die Antworten als Wandzeitung zu lesen. Kretschmann sinniert, ob das nicht eine Anregung für die Politik wäre, die wichtigsten Fragen der Bürger zu sammeln: "Wir schreiben riesige Programme und die Leute fragen was ganz anderes."Gute vier Spazierkilometer haben die rund 60 Mitwanderer Zeit, dem Landesvater näher zu kommen. Dabei ist auch Tamara Hübler, Studentin aus Augsburg und gerade auf Besuch. "Ich wollte mal den Baden-Württembegischen Ministerpräsidenten kennen lernen." Er sei einer der wenigen Politiker, die sie noch sympathisch finde. Sie fühle sich Grün nahe, sagt sie. Und: "Ich muss dazu sagen, dass ich aber nie mit dem bayerischen Ministerpräsidenten wandern würde, wenn das angeboten würde."

Und Helga Klaus ist erst vor wenigen Wochen aus Ludwigsburg nach Überlingen gezogen. "Als ich gehört hab', dass er kommt, war das so klar wie Klosbrühe, dass ich mitlaufe – Ich finde ihn einfach au als Politiker und als Mensch e ehrliche Person. Wenn der was sagt, dann woisch au, dass er dahinter steht."Drinnen in Klosterkirche Birnau beweist Kretschmann seinen Zuhörern, die sich zu seiner Führung auf gut 150 vegrößert haben, dass der einstige Oberministrant, der als Schüler eines katholischen Internates kurz auf dem Weg zu Priester war, wie fundiert der Grüne Ministerpräsident das barocke Programm der Zisterzienser-Basilika erklären kann.

(Quelle: Südkurier vom 18.08.2017, Martin Baur)