Gelungenes Begegnungsfest: 130 Geflüchtete und Einheimische bauen mit Gesprächen Barrieren ab

Nach anfänglicher Distanz kommen in der Alten Fabrik in Mühlhofen viele gute Gespräche. Auch wenn die Organisatoren eine grundsätzlich positive Bilanz ziehen, zeigen sich eine Besucher verwundert über die geringe Anzahl von Geflüchtete, die die Chance zum Gespräch nutzen.

Freitagnachmittag, 16 Uhr: Das integrative Begegnungsfest in der Alten Fabrik in Mühlhofen beginnt. Es sind bereits erstaunlich viele Gäste da – und vor allem überraschend viele Einheimische. „Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass das Interesse so groß war und vor allem viele Mühlhofer gekommen sind“, sagt Dagmar Habisreuther von der Diakonie Überlingen. Ihr Team und der Förderverein Alte Fabrik Mühlhofen haben diesen Nachmittag initiiert.

Eines war allerdings auffällig: Zu Beginn des Begegnungsfestes gab es noch eine auffällige Distanz. Es gab Tische, an denen saßen ausschließlich Geflüchtete und Tische mit Einheimischen. Dies änderte sich aber recht schnell. „Mit der Zeit kamen wirklich gute Gespräche zustande“, freute sich auch Martin Möcking vom Förderverein der Alten Fabrik Mühlhofen, der eine positive Bilanz zieht: „Ich bin vollauf zufrieden. Der Nachmittag war absolut gelungen.“

Einer der Gäste war Yusupha Touray aus Gmabia, der momentan in einer Gemeinschaftsunterkunft in Mühlhofen lebt. „Es ist einfach toll, so viele neue Leute kennenzulernen“, schwärmt der 23-Jährige, der noch auf die Bewilligung seines Asylantrages wartet. Er unterhält sich viel auf Englisch, versucht aber auch immer wieder, Deutsch zu sprechen. Er ist ein offener lustiger Mensch, der Kontakt sucht. „Ich möchte die Sprache lernen, möchte Leute kennenlernen und suche Arbeit“, erklärt er. „Da ist es wichtig, dass es solche Feste gibt und da muss man einfach hingehen.“ Es wird überhaupt recht viel Deutsch gesprochen, auch wenn viele Geflüchtete nicht alles verstehen. Dafür gibt es dann immer noch Hände und Füße und manchmal helfen sogar Zettel und Stift.

An einem Tisch sitzt die 28-jährige Nevin Eroglu und spielt mit der Grundschülerin Shewa Mohamad Uno. Das kleine Mädchen lebt in einer Gemeinschaftsunterkunft in Mühlhofen und freut sich diebisch über die Spielpartnerin. Sie spricht sehr gut deutsch. Nevin Eroglu studiert eigentlich in Bamberg, absolviert aber gerade ein Praktikum in Friedrichshafen und hat vom Begegnungsfest am Morgen im SÜDKURIER gelesen. „Es ist einfach super, wenn es einen Raum gibt, in dem sich Geflüchtete und Einheimische treffen können“, sagt sie. „Ich bin hierher gekommen und habe niemanden gekannt. Die, die da sind, sind wirklich sehr offen.“ In Bamberg hat sich Nevin Eroglu auch schon ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Die 28-Jährige blickt aber etwas verwundert durch den Raum und sagt: „Ich hätte allerdings gedacht, dass mehr los ist. Vor allem, dass mehr Geflüchtete kommen.“ Sie hat von der großen Anzahl in den drei Gemeinschaftsunterkünften in Mühlhofen gehört und ist überrascht, dass von den Bewohner der Unterkünfte nur wenige die Chance nutzen, um Kontakt zu Einheimischen zu bekommen. Mit dieser Meinung ist Nevin Eroglu nicht alleine.

„Solche Veranstaltungen sind sehr wichtig, vor allem für Mühlhofen“, sagt eine einheimische Besucherin, die nicht genannt werden möchte, sich aber selbst in der Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich engagiert. „Ich bin sicher, dass es sehr viele unberechtigte Ängste gibt. Bei einem solchen Begegnungsfest kann man diese sehr gut abbauen.“ Deshalb wünsche sie sich auch mehr solche Veranstaltungen. Dagmar Habisreuther und Martin Möcking haben dies auch nicht ausgeschlossen, wobei es momentan keine Pläne für ein weiteres Fest gibt.

(Quelle: Südkurier vom 24.04.2017, Reiner Jäckle)